Faktoren und Trends bei der Berufswahl
Berufswahl im Wandel: Einflussfaktoren, Trends und
Empfehlungen für eine zukunftsfähige Berufsorientierung
Einleitung
Die Berufswahl ist eine der prägendsten Entscheidungen im Leben junger Menschen und
beeinflusst maßgeblich ihre ökonomische, soziale und persönliche Entwicklung. In einer Zeit
tiefgreifender gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Umbrüche stehen
Jugendliche, Eltern und Bildungseinrichtungen vor neuen Herausforderungen und Chancen. Die
Vielfalt an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, die Digitalisierung der Arbeitswelt, der
demografische Wandel sowie sich wandelnde Werte und Erwartungen machen die Berufswahl
zu einem komplexen Prozess, der von zahlreichen individuellen und strukturellen Faktoren
beeinflusst wird[1]
.
Dieser Bericht analysiert umfassend die zentralen Einflussfaktoren auf die Berufswahl,
beleuchtet Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern und sozialen Milieus,
untersucht aktuelle Trends auf dem Arbeitsmarkt und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für
Jugendliche, Eltern und Bildungseinrichtungen. Die Analyse stützt sich auf aktuelle empirische
Studien, amtliche Statistiken, wissenschaftliche Literatur und Best-Practice-Beispiele aus dem In-
und Ausland.
1. Überblick: Zentrale Einflussfaktoren auf die Berufswahl
Die Entscheidung für einen Beruf ist das Ergebnis eines vielschichtigen Zusammenspiels
individueller Präferenzen, sozialer Prägungen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Die
Forschung identifiziert folgende Hauptfaktoren:
▪ Persönliche Interessen und Persönlichkeit
▪ Familiärer Hintergrund und soziale Herkunft
▪ Schulische Leistungen und Bildungswege
▪ Gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen
▪ Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Arbeitsmarkt
▪ Digitalisierung und digitale Kompetenzen
▪ Demografischer Wandel und Fachkräftebedarf
1.
Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern beeinflussen sich gegenseitig und werden durch
aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie die „Polykrise“ (Pandemie, Krieg, Klimawandel)
zusätzlich dynamisiert.
Copilot may make mistakes 12. Persönliche Interessen, Persönlichkeit und individuelle
Kompetenzen
2.1 Interessenmodelle und Persönlichkeitstheorien
Die Passung zwischen individuellen Interessen und beruflichen Anforderungen ist ein zentraler
Prädiktor für beruflichen Erfolg und Zufriedenheit. Das RIASEC-Modell von John L. Holland
unterscheidet sechs Interessensbereiche: Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterprising
und Conventional. Die Forschung zeigt, dass eine hohe Kongruenz zwischen Persönlichkeit und
Berufswahl zu höherer Arbeitszufriedenheit, beruflichem Erfolg und Stabilität der
Karriereentwicklung führt[3]
.
Beispiele für RIASEC-Typen und passende Berufe:
RIASEC-Typ Typische Berufe
Realistic Elektriker/in, Mechatroniker/in
Investigative Ingenieur/in, Informatiker/in
Artistic Designer/in, Fotograf/in
Social Erzieher/in, Pflegefachkraft
Enterprising Unternehmensberater/in, Anwalt/Anwältin
Conventional Bankkaufmann/frau, Sachbearbeiter/in
Die Anwendung von Interessenmodellen wie RIASEC in der Berufsorientierung (z.B. durch Tests
wie „Check-U“) unterstützt Jugendliche dabei, ihre Stärken und Präferenzen zu erkennen und
passende Berufsfelder zu identifizieren[2]
.
2.2 Potenzialanalyse und Selbstreflexion
Instrumente wie die Potenzialanalyse im Rahmen des Berufsorientierungsprogramms helfen
Jugendlichen, überfachliche Kompetenzen (z.B. Teamfähigkeit, Problemlösekompetenz,
Selbstorganisation) zu entdecken und zu reflektieren. Die individuelle Rückmeldung durch
pädagogische Fachkräfte fördert das Selbstbewusstsein und die Eigeninitiative im
Berufswahlprozess[6]
.
Wesentliche Kompetenzen laut Potenzialanalyse:
▪ Methodische Kompetenzen (Arbeitsplanung, Kreativität)
▪ Personale Kompetenzen (Motivation, Zuverlässigkeit)
▪ Soziale Kompetenzen (Team-, Kommunikationsfähigkeit)
1.
Die Forschung betont, dass die Reflexion eigener Erfahrungen und die Entwicklung eines
realistischen Selbstbildes entscheidend für eine fundierte Berufswahl sind[5]
.
23. Familiärer Hintergrund und soziale Herkunft
3.1 Einfluss des Elternhauses
Der familiäre Hintergrund ist einer der stärksten Prädiktoren für Bildungs- und Berufserfolg in
Deutschland. Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen, dass etwa
40 % der Ungleichheit beim individuellen Arbeitseinkommen und über 50 % beim Bildungserfolg
durch den Familienhintergrund erklärt werden können. Besonders groß ist der Einfluss bei
Männern (43 % beim Einkommen, 66 % beim Bildungserfolg), aber auch bei Frauen ist er
signifikant[7]
.
Mechanismen des Einflusses:
▪ Bildungsniveau und Einkommen der Eltern prägen die Bildungsaspirationen und
Risikobereitschaft der Kinder.
▪ Eltern fungieren als Rollenvorbilder, Unterstützer und Netzwerker.
▪ Akademische Haushalte fördern häufig höhere Bildungsabschlüsse und akademische
Karrieren, während in nicht-akademischen Haushalten häufiger Ausbildungsberufe gewählt
werden.
1.
3.2 Soziale Mobilität und Chancengleichheit
Deutschland weist im internationalen Vergleich eine geringe soziale Mobilität auf. Die Chancen,
unabhängig vom Elternhaus einen sozialen Aufstieg zu erreichen, sind begrenzt und
vergleichbar mit den USA. Im Gegensatz dazu ist die Durchlässigkeit in Ländern wie Dänemark
deutlich höher[8]
.
Internationale Vergleiche:
▪ Länder wie Kanada, die Niederlande und Dänemark erreichen sowohl hohe Leistungsniveaus
als auch eine größere Chancengleichheit im Bildungssystem[8]
.
▪ In Deutschland bleibt die soziale Herkunft ein entscheidender Faktor für den Zugang zu
bestimmten Berufen und Bildungswegen.
1.
3.3 Peer Groups und regionale Kontexte
Neben der Familie beeinflussen auch Peer Groups und das regionale Umfeld die Berufswahl.
Jugendliche orientieren sich an den Bildungs- und Berufswegen ihres sozialen Umfelds.
Regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen und wirtschaftlichen
Strukturen verstärken diese Effekte[9]
.
34. Schulische Leistungen, Bildungswege und institutionelle
Rahmenbedingungen
4.1 Bedeutung des Bildungsabschlusses
Der schulische Bildungsabschluss ist ein zentraler Filter im deutschen Bildungssystem und
beeinflusst maßgeblich die Berufswahlmöglichkeiten. Ohne einen formalen Schulabschluss ist
der Einstieg ins Arbeitsleben deutlich erschwert. 2022 lag der Anteil der Männer ohne
Schulabschluss bei 61,6 %, der der Frauen bei 38,4 %[10]
.
Verteilung der Schulabschlüsse (2024):
▪ Ohne Hauptschulabschluss: 1,5 %
▪ Hauptschulabschluss: 27,7 %
▪ Realschulabschluss: 41,3 %
▪ Fachhochschulreife: 12,0 %
▪ Allgemeine Hochschulreife: 11,6 %[10]
1.
4.2 Bildungswege und Durchlässigkeit
Das deutsche Bildungssystem ist durch eine frühe Differenzierung (Hauptschule, Realschule,
Gymnasium) und eine starke Bindung zwischen Bildungsabschluss und Berufsfeld
gekennzeichnet. Die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung ist zwar
gestiegen, bleibt aber im internationalen Vergleich begrenzt[12][13]
.
Duale Ausbildung vs. Studium:
▪ Die duale Ausbildung bietet insbesondere Jugendlichen mit mittleren und niedrigen
Schulabschlüssen gute Integrationschancen in den Arbeitsmarkt.
▪ Die Studierneigung nimmt weiter zu, insbesondere bei Jugendlichen mit Abitur. 2024 lag die
Studienberechtigtenquote bei Frauen bei 54,7 %, bei Männern bei 42,6 %.
1.
4.3 Schulische Berufsorientierung und Unterstützung
Die Qualität der schulischen Berufsorientierung wird von Jugendlichen kritisch bewertet. Nur ein
Drittel fühlt sich gut informiert, während über die Hälfte Schwierigkeiten hat, sich im
Informationsangebot zurechtzufinden.
Wichtige Informationsquellen:
▪ Praktika (70 %)
▪ Persönliche Beratung (51 %)
▪ Betriebsbesichtigungen (49 %)
▪ Ausbildungs- und Karrieremessen (33 %)
▪ Digitale Angebote gewinnen an Bedeutung, werden aber noch als unzureichend bewertet[4]
.
1.
45. Gesellschaftliche Erwartungen, Geschlechterrollen und soziale
Milieus
5.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
Die Berufswahl ist weiterhin stark von Geschlechterrollen geprägt. Frauen wählen häufiger
Berufe im sozialen, gesundheitlichen oder kaufmännischen Bereich, während Männer in
technischen und naturwissenschaftlichen Berufen dominieren[15][16]
.
Frauen in MINT-Berufen (2022):
▪ Nur 9 % der Frauen wählen eine Ausbildung im MINT-Bereich, bei Männern sind es 46 %.
1.
▪ Der Frauenanteil in Ingenieurwissenschaften ist von 21,2 % (2012) auf 25,9 % (2022)
gestiegen, bleibt aber deutlich unter dem Männeranteil[15]
.
Gründe für die geringe Beteiligung von Frauen in MINT:
▪ Geringere Förderung in Schule und Familie
▪ Diskriminierende Vorurteile und geringere Aufstiegschancen
▪ Fehlende weibliche Rollenvorbilder
▪ Arbeitsbedingungen (z.B. Schichtarbeit, fehlende Teilzeitmodelle)[15]
1.
Maßnahmen zur Förderung:
▪ Girls’ Day, klischeefreie Berufsorientierung, gezielte Förderung von Mädchen in MINT-
Fächern
▪ Verbesserung der Arbeitsbedingungen und gezielte Ansprache durch Unternehmen
1.
5.2 Soziale Milieus und Bildungsschichten
Jugendliche aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Milieus haben geringere Chancen
auf einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung und Beruf. Sie sind häufiger von
Arbeitslosigkeit und prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen[17]
.
Barrieren für benachteiligte Gruppen:
▪ Geringe schulische Leistungen und fehlende Unterstützung im Elternhaus
▪ Regionale Disparitäten und mangelnde Ausbildungsangebote
▪ Fehlende Netzwerke und Rollenvorbilder
1.
Empirische Befunde:
▪ Jugendliche mit niedriger Schulbildung sind pessimistischer bezüglich ihrer
Ausbildungschancen und fühlen sich häufiger schlecht informiert[17]
.
1.
56. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Arbeitsmarkt und
Passungsprobleme
6.1 Arbeitsmarktentwicklung und Fachkräftemangel
Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Jahren der Stagnation in einer schwierigen Lage. Der
demografische Wandel, die Digitalisierung und geopolitische Unsicherheiten führen zu
strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt[19][20]
.
Aktuelle Trends (2025):
▪ Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist weiter rückläufig (2024: 486.700,
-0,5 % zum Vorjahr)[10]
.
▪ Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen bleibt hoch (2024: 69.400), während gleichzeitig
70.400 Bewerber:innen noch auf der Suche sind[10]
.
▪ Der Fachkräftemangel bleibt trotz konjunktureller Abschwächung eine zentrale
Herausforderung, insbesondere in MINT-Berufen, im Baugewerbe und im Gesundheitswesen
[18][19]
.
1.
Fachkräftelücke nach Berufsbereichen (März 2025):
▪ Besonders groß in Bau, Architektur, Gesundheit, Soziales, IT und Technik
▪ Rückgang der Fachkräftelücke in IT-Berufen aufgrund konjunktureller Schwäche, aber
strukturell bleibt der Bedarf hoch[18]
.
1.
6.2 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt
Passungsprobleme entstehen, wenn Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt nicht
übereinstimmen. Ursachen sind regionale Disparitäten, berufliche Präferenzen,
Qualifikationsanforderungen und sektorale Unterschiede[13]
.
Typische Passungsprobleme:
▪ In bestimmten Regionen (v.a. Ostdeutschland) gibt es mehr unbesetzte Stellen, in anderen
mehr unversorgte Bewerber:innen.
1.
▪ In Berufen wie dem Lebensmittelhandwerk, der Gastronomie und im Bau bleiben viele
Stellen unbesetzt, während in kaufmännischen und Medienberufen viele Bewerber:innen
erfolglos bleiben[10]
.
Lösungsansätze:
▪ Besseres Matching durch Berufsberatung und digitale Plattformen
▪ Förderung der Mobilität und Flexibilität der Jugendlichen
▪ Ausbau von Jugendberufsagenturen und außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen
1.
6.3 Ausbildungsvergütung und finanzielle Aspekte
Ein zu geringes Azubi-Gehalt ist für 48 % der Jugendlichen ein Grund gegen eine Ausbildung. Die
Copilot may make mistakes 6Mindestausbildungsvergütung steigt zwar (2026: mindestens 724 Euro/Monat), reicht aber
vielen nicht aus, um selbstständig zu leben[23]
.
7. Digitalisierung, digitale Kompetenzen und neue Arbeitswelt
7.1 Digitalisierung als Treiber des Wandels
Die Digitalisierung verändert Berufsbilder, Arbeitsprozesse und Qualifikationsanforderungen
grundlegend. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und neue Technologien schaffen neue
Berufe und verändern bestehende[25]
.
Top-Trends 2025:
▪ Hybrides Arbeiten und flexible Arbeitsmodelle
▪ Generative KI als Co-Pilot im Arbeitsalltag
▪ Kompetenzbasierte Rekrutierung („Skills-over-Degrees“)
▪ Nachhaltige Arbeitskultur und Employee Experience
▪ 4-Tage-Woche und Virtual Reality für kollaboratives Arbeiten
1.
Zukunftsberufe mit hoher Nachfrage:
▪ Datenanalyst/in, KI-Spezialist/in, Cybersecurity-Experte/in
▪ Gesundheitsinformatiker/in, Nachhaltigkeitsmanager/in
▪ Softwareentwickler/in, Cloud-Architekt/in, RPA-Entwickler/in[25]
1.
7.2 Digitale Kompetenzen und Bildungsgerechtigkeit
Digitale Kompetenzen sind Schlüsselqualifikationen für die Arbeitswelt der Zukunft. Die
Kultusministerkonferenz fordert die curriculare Verankerung digitaler und informatischer
Kompetenzen in allen Fächern und den Ausbau medienpädagogischer Angebote für Eltern und
Lehrkräfte[27]
.
Kompetenzbereiche laut KMK:
▪ Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
▪ Kommunizieren und Kooperieren
▪ Produzieren und Präsentieren
▪ Schützen und sicher agieren
▪ Problemlösen und Handeln
▪ Analysieren und Reflektieren[27]
1.
Herausforderungen:
▪ Digitale Spaltung („Digital Divide“) zwischen sozialen Milieus und Regionen
▪ Mangelnde Ausstattung und fehlende digitale Kompetenzen bei Lehrkräften
7▪ Diskrepanz zwischen digitalem Alltag der Jugendlichen und schulischer Vermittlung[26]
1.
8. Demografischer Wandel und Fachkräftebedarf
8.1 Alterung der Gesellschaft und Erwerbspersonenpotenzial
Der demografische Wandel führt zu einer langfristig sinkenden Zahl der Bevölkerung im
erwerbsfähigen Alter. Die Zahl der Erwerbspersonen, die in den Ruhestand gehen, steigt,
während die Zahl der nachrückenden Jüngeren niedrig bleibt[19][18]
.
Zentrale Befunde:
▪ 2024 waren 13,1 Mio. der Erwerbsfähigen zwischen 55 und 65 Jahre alt.
▪ Die Lücke, die durch den Renteneintritt der Babyboomer entsteht, kann durch die
nachrückenden Jugendlichen nicht geschlossen werden.
▪ Der Anteil ausländischer Erwerbspersonen im erwerbsfähigen Alter ist seit 2014 um fast 7
Prozentpunkte auf 18 % gestiegen[20]
.
1.
8.2 Strategien zur Fachkräftesicherung
▪ Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren und Zugewanderten
▪ Gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte
▪ Ausbau von Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten
▪ Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf[18]
1.
Prognose bis 2029:
▪ Auf der Fachkraftebene werden bis 2029 rund 530.000 Personen fehlen.
▪ Besonders betroffen sind Bau, IT, Gesundheit und Pflege[21]
.
1.
9. Unterschiede nach Altersgruppen, Geschlechtern und sozialen
Milieus
9.1 Generationenvergleich: Werte, Erwartungen und Karriereziele
Babyboomer (1946-1964):
▪ Fokus auf Stabilität, Sicherheit, Loyalität zum Arbeitgeber
▪ Klassischer Aufstieg innerhalb fester Hierarchien
1.
Millennials (1980-1995):
▪ Work-Life-Balance, Flexibilität, persönliche Weiterentwicklung
▪ Wunsch nach Sinnhaftigkeit und individueller Förderung
1.
Generation Z (ab 1995):
Copilot may make mistakes 8▪ Wertorientierung, Sinnstiftung, Nachhaltigkeit
▪ Digitale Affinität, Flexibilität, offene Kommunikation
▪ Hohe Wechselbereitschaft und Wunsch nach kollegialem Zusammenhalt[28]
1.
Empirische Befunde:
▪ 48 % der Gen Z sind offen für einen Jobwechsel, Millennials 44 %, Babyboomer 15 %.
▪ Für alle Generationen bleibt Jobsicherheit ein zentrales Kriterium, aber die Gewichtung von
Sinn, Flexibilität und Führungskultur variiert[28]
.
1.
9.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede
▪ Frauen sind häufiger in sozialen, gesundheitlichen und kaufmännischen Berufen vertreten,
Männer dominieren in technischen und MINT-Berufen.
▪ Frauen erzielen häufiger höhere Schulabschlüsse, sind aber in Führungspositionen und
MINT-Berufen unterrepräsentiert.
▪ Der Gender Pay Gap bleibt bestehen, insbesondere bei Vollzeitbeschäftigten und in höheren
Positionen[15]
.
1.
9.3 Soziale Milieus und Bildungsschichten
▪ Jugendliche aus bildungsfernen Milieus haben geringere Chancen auf einen erfolgreichen
Berufseinstieg.
▪ Regionale Unterschiede verstärken soziale Ungleichheiten, insbesondere in Ostdeutschland
und strukturschwachen Regionen[9]
.
1.
10. Berufsorientierung: Instrumente, Programme und
Unterstützungsangebote
10.1 Instrumente der Berufsorientierung
▪ Potenzialanalyse: Identifikation von Stärken und Kompetenzen, Reflexion und individuelle
Förderung[6]
▪ Berufsorientierungsprogramme: Kombination aus Potenzialanalyse und praxisorientierten
Berufsfelderkundungen
▪ Praktika: Zentrale Informationsquelle und Möglichkeit zur Erprobung von Berufsfeldern[29]
▪ Digitale Tools: Check-U, Berufswahlfahrplan, Online-Informationsportale[4]
1.
10.2 Rolle von Eltern und Bildungseinrichtungen
Eltern sind die wichtigsten Unterstützer bei der Berufswahl (77 % der Jugendlichen nennen sie9als Hauptbezugsperson). Schulen und Lehrkräfte spielen ebenfalls eine zentrale Rolle,
insbesondere bei Jugendlichen mit niedriger Schulbildung[31]
.
Empfohlene Unterstützungsformen:
▪ Mehr Berufsorientierung in der Schule (49 % der Jugendlichen wünschen dies)
▪ Persönliche Ansprechpartner außerhalb der Schule (45 %)
▪ Ausbau digitaler Angebote (30 %)
1.
10.3 Barrieren und Ungleichheiten beim Übergang in Ausbildung
▪ Jugendliche mit niedriger Schulbildung und aus benachteiligten Milieus haben größere
Schwierigkeiten beim Übergang in Ausbildung.
1.
▪ Zentrale Barrieren: Fehlende Qualifikationen, mangelnde Unterstützung, regionale
Disparitäten, Diskriminierung[22]
Programme zur Unterstützung:
▪ Berufseinstiegsbegleitung, Assistierte Ausbildung, Jugendberufsagenturen,
außerbetriebliche Ausbildungsplätze[33]
1.
11. Internationale Vergleiche und Best Practices
11.1 Das duale System als Erfolgsmodell
Das deutsche duale Ausbildungssystem gilt international als Vorbild für die Integration
Jugendlicher in den Arbeitsmarkt. Länder mit dualen Systemen (z.B. Schweiz, Österreich) weisen
niedrigere Jugendarbeitslosenquoten und bessere Übergangschancen auf[11]
.
Vergleichende Indikatoren:
▪ NEET-Quote (Not in Education, Employment or Training) in Deutschland 2019: 6,2 % (EU-
Durchschnitt: 10,1 %)
▪ Länder wie die Niederlande, Kanada und Dänemark kombinieren hohe Leistungsniveaus mit
größerer Chancengleichheit[11]
.
1.
11.2 Herausforderungen und Reformansätze
▪ Länder mit schulisch geprägten Ausbildungssystemen (z.B. Frankreich, Italien) haben höhere
Jugendarbeitslosigkeit und geringere Durchlässigkeit.
▪ Best Practices umfassen die Verzahnung von Berufsorientierung, individuelle Förderung,
gezielte Integration von Benachteiligten und die Förderung von Durchlässigkeit zwischen
Bildungswegen[11]
1.
12. Empfehlungen für Jugendliche, Eltern und Bildungseinrichtungen
12.1 Empfehlungen für Jugendliche
▪ Selbstreflexion fördern: Eigene Interessen, Stärken und Werte analysieren (z.B. mit
Potenzialanalysen, Interessenmodellen wie RIASEC).
▪ Vielfältige Informationsquellen nutzen: Praktika, Beratung, digitale Tools, Berufsmessen.
▪ Offenheit für neue Berufsfelder: Insbesondere für digitale, nachhaltige und
zukunftsorientierte Berufe.
▪ Flexibilität und Mobilität: Bereitschaft, regionale und berufliche Alternativen zu prüfen.
▪ Lebenslanges Lernen: Bereitschaft zur Weiterbildung und Anpassung an neue
Anforderungen.
12.2 Empfehlungen für Eltern
▪ Begleiter und Unterstützer sein: Interesse zeigen, offene Gespräche führen, Mut machen
und Vertrauen schenken.
▪ Informationskompetenz stärken: Sich über Ausbildungswege, Berufe und Trends
informieren, gemeinsam mit dem Kind recherchieren.
▪ Klischeefreie Förderung: Kinder ermutigen, auch geschlechtsuntypische Berufe zu
erkunden.
▪ Praktische Unterstützung: Hilfe bei Bewerbungen, Vorbereitung auf
Vorstellungsgespräche, Nutzung von Beratungsangeboten[31]
.
12.3 Empfehlungen für Bildungseinrichtungen und Politik
▪ Berufsorientierung ausbauen: Frühzeitige, systematische und praxisnahe
Berufsorientierung in allen Schulformen.
▪ Individuelle Förderung: Insbesondere für benachteiligte Gruppen, durch gezielte
Programme und persönliche Ansprechpartner.
▪ Digitale Bildung stärken: Curriculare Verankerung digitaler Kompetenzen, Ausbau der
Infrastruktur und Fortbildung der Lehrkräfte.
▪ Durchlässigkeit erhöhen: Ermöglichung flexibler Bildungswege und Anerkennung von
Kompetenzen.
▪ Chancengleichheit fördern: Abbau sozialer, regionaler und geschlechtsspezifischer
Barrieren, gezielte Integration von Zugewanderten und Benachteiligten.
▪ Arbeitsmarktintegration verbessern: Ausbau von Jugendberufsagenturen, Förderung von
Mobilität und Flexibilität, bessere Anerkennung ausländischer Qualifikationen[32][18]
.
1.
. Visualisierung: Tabellen zu Einflussfaktoren und Trends
Tabelle 1: Einflussfaktoren auf die Berufswahl (Zusammenfassung)
Einflussfaktor Beschreibung und Wirkung
Persönliche Interessen Bestimmen die Passung zum Beruf, beeinflussen Motivation und
Zufriedenheit (z.B. RIASEC-Modell)
Familiärer Hintergrund Prägt Bildungsaspirationen, Zugang zu Netzwerken, finanzielle
und emotionale Unterstützung
Schulische Leistungen Öffnen oder verschließen Bildungswege, beeinflussen
Berufswahlmöglichkeiten
Gesellschaftliche
Erwartungen
Rollenbilder, Geschlechterstereotype, soziale Normen
Wirtschaftliche
Bedingungen
Arbeitsmarktsituation, Ausbildungsangebot, Fachkräftemangel,
Vergütung
Digitalisierung Neue Berufsbilder, veränderte Qualifikationsanforderungen,
digitale Kompetenzen als Schlüsselqualifikation
Demografischer Wandel Alterung der Gesellschaft, Rückgang der Erwerbspersonen,
steigender Bedarf an Fachkräften
Soziale Milieus Soziale Herkunft, regionale Unterschiede, Zugang zu Ressourcen
und Unterstützung
Analyse:
Die Berufswahl ist ein komplexes Zusammenspiel individueller und struktureller Faktoren.
Während persönliche Interessen und Kompetenzen die Passung zum Beruf bestimmen, setzen
familiäre und soziale Kontexte den Rahmen für Bildungs- und Berufschancen. Die Digitalisierung
und der demografische Wandel verändern die Anforderungen und Möglichkeiten auf dem
Arbeitsmarkt grundlegend. Gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen beeinflussen
weiterhin die Berufswahl, insbesondere in Bezug auf MINT-Berufe und Führungspositionen. Die
Förderung von Chancengleichheit und die gezielte Unterstützung benachteiligter Gruppen
bleiben zentrale Herausforderungen.
Tabelle 2: Aktuelle Arbeitsmarkttrends und Zukunftsberufe (2025)
Trendbereich Beispiele für Berufe mit hoher
Nachfrage
Zentrale Kompetenzen
Digitalisierung/IT Datenanalyst/in, KI-Spezialist/in, Programmierkenntnisse,
Datenanalyse,
Cybersecurity-Experte/in, Cloud-
Architekt/in
Problemlösung, digitale
Kompetenzen
Nachhaltigkeit/Umwelt Nachhaltigkeitsmanager/in, Umweltbewusstsein,
Projektmanagement,
12Erneuerbare-Energien-Technik
er/in
Kommunikationsfähigkeit
Gesundheit/Soziales Gesundheitsinformatiker/in, Empathie, Teamfähigkeit, digitale
Kompetenzen
Pflegefachkraft, Psychologe/in
Handwerk/Bau Anlagenmechaniker/in, Technisches Verständnis,
Flexibilität
Dachdecker/in, Sanitärtechnik
er/in
Marketing/Kommunikat
ion
Digital Marketing-Experte/in, Kreativität, Kommunikations
fähigkeit
UX-Designer/in
Analyse:
Die Arbeitswelt 2025 ist geprägt von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und demografischem
Wandel. Berufe im IT-Bereich, im Gesundheitswesen und im Bereich erneuerbare Energien
bieten besonders gute Zukunftschancen. Neben fachlichen Kompetenzen gewinnen
überfachliche Fähigkeiten wie Problemlösung, Teamarbeit und digitale Kompetenzen an
Bedeutung. Die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen wird zur Schlüsselqualifikation in einer sich
ständig wandelnden Arbeitswelt.
Fazit
Die Berufswahl in Deutschland ist ein vielschichtiger Prozess, der von individuellen Interessen,
familiären und sozialen Kontexten, schulischen Leistungen, gesellschaftlichen Erwartungen und
den strukturellen Bedingungen des Arbeitsmarktes geprägt wird. Der demografische Wandel,
die Digitalisierung und die zunehmende Heterogenität der Gesellschaft stellen neue
Anforderungen an Jugendliche, Eltern, Bildungseinrichtungen und die Politik.
Zentrale Herausforderungen bleiben:
▪ Die Förderung von Chancengleichheit und die gezielte Unterstützung benachteiligter
Gruppen
▪ Die Anpassung der Berufsorientierung an die Anforderungen der digitalen und nachhaltigen
Arbeitswelt
▪ Die Sicherung des Fachkräfteangebots durch Integration, Weiterbildung und flexible
1.
Bildungswege
Empfehlungen für die Praxis:
▪ Jugendliche sollten ihre Interessen und Stärken systematisch reflektieren und vielfältige
Informationsquellen nutzen.
▪ Eltern und Lehrkräfte sind als Begleiter, Unterstützer und Vorbilder gefragt.
▪ Bildungseinrichtungen und Politik müssen Berufsorientierung, digitale Bildung und
individuelle Förderung ausbauen und strukturelle Barrieren abbauen.
Nur durch ein abgestimmtes Zusammenwirken aller Akteure kann die Berufswahl zu einer
informierten, selbstbestimmten und zukunftsfähigen Entscheidung werden, die individuelle
Potenziale hebt und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.
References (33)
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Zahlen und Fakten zur Fachkräfteentwicklung - BMAS.
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21.BIBB - Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt. https://www.bibb.de/de/33214.php
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https://berufsbild.com/magazin/trendberufe-2025-die-gefragtesten-jobs-in-der-zukunft
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Jahresbericht-Bildung-in-der-digitalen-Welt_2024-2025.pdf
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https://www.ihk.de/schwaben/produktmarken/aus-und-
weiterbildung/ausbildung/interessenten/eltern-mitentscheider-5046308
28.Ausbildungs- perspektiven 2025 - bertelsmann-stiftung.de. https://www.bertelsmann-
stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Ausbildungsperspektiven2025.pdf
29.Berufliche Bildung im internationalen Vergleich.
https://www.bpb.de/themen/arbeit/arbeitsmarktpolitik/326635/berufliche-bildung-im-
internationalen-vergleich/
30.Übergang - BMBFSFJ - Bildungsketten.
https://www.bildungsketten.de/bildungsketten/de/uebergang/uebergang_node.html
(c). Bernd Ehrig mit Unterstützung von KI
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